Wenn Blicke töten können, wäre ich schon oft gestorben. Können sie aber nicht.

Was Blicke können, ist trotzdem beeindruckend. So sehr, dass einem die Augen fast aus dem Kopf springen (eins hab ich gerade noch wieder zurück in die Höhle drücken können).

„So nah war ich Dir noch nie!“

Was brauchen Paare oder solche, die es werden wollen, um Intimität zu spüren?

Lange Gespräche? Viel gemeinsame Zeit? Sex, bis die Möhre platzt?

Nicht unbedingt.

Für eine Studie aus 2015 luden Forscher 96 Fremde ein und teilten sie in Paare auf. Sie sollten sich für vier Minuten in die Augen schauen. Währenddessen wurden unter amderem die Hirnströme der beiden gemessen.

Nach einer Weile blinzelten die bis dahin Fremden nicht nur im gleichen Takt. Auch die Aktivitäten in einem Teil des Gehirrns waren synchronisiert (Gyrus frontalis inferior, verantwortlich für Sprache und Kommunikation).

Die Wissenschaftler nannten es ein „gemeinsames verbundenes System“, das durch den Blickkontakt zwischen den Beiden entstand. Sie vereinigten sich. Fühlten sich verbunden.

Selbst Paare, die sich nichts mehr zu sagen haben, könnten also etwas zu glotzen haben – und das kann der Neubeginn einer wunderbaren … und so weiter.

Der tiefe Blick ist auch der Abschluss der wissenschaftlich erprobten und ziemlich unglaublichen 36 Fragen, die zum Verlieben führen.

„Das ist ja besser als jede Droge!“

Von der University of Urbino in Italien stammt eine weitere Studie zum Thema.

20 Fremde wurden ausgesucht, in Paare eingeteilt, im Abstand von einem Meter gegenübergesetzt und angewiesen, dem Anderen für 10 Minuten in die Augen zu starren. Das Licht im Raum wurde etwas gedämmt, damit die Teilnehmer Farben etwas weniger deutlich wahrnehmen konnten. Es reichte jedoch, um die Gesichter klar zu erkennen.

Die Kontrollgruppe aus 20 weiteren Freiwilligen sollte sich einzeln hinsetzen und eine nackte Wand für 10 Minuten anstarren.

Keinem der Teilnehmer wurde verraten, worum sich das Experiment drehte. Die Forscher wollten keine Erwartungen und „Placebo-Effekte“ verursachen. Nach der Übung füllten die Testpersonen zwei Fragebögen aus.

Die Ergebnisse der ersten, gepaarten Gruppe waren … na ja, ziemlich irre:

  • Sämtliche Mitglieder berichteten von einem massiv veränderten Zeitgefühl
  • 90 Prozent sahen das Gesicht ihres Übungspartners deformiert
  • 75 Prozent halluzinierten Monster
  • 50 Prozent sahen ihr eigenes Gesicht in ihren Partnern
  • 15 Prozent sahen das Gesicht eines Verwandten in ihren Partnern

„Alternative Bewusstseinszustände“ nennen die Forscher das. Genau erklären konnten sie das auch nicht. Ein Grund könnte der Entzug visueller Reize sein, der zu Dissoziationen führt, also dem Gefühl, von sich selbst losgelöst zu sein. Dann, wenn das Hirn wieder zurück zur Realität springt, projiziert das Unterbewusstsein verrückte Dinge auf das Gegenüber.

Cool, oder?

Wenn man beide Übungen kombiniert, also 14 Minuten starrt, verliebt man sich vielleicht in ein Monster.

 

Photo: Heather