|21. August 2012 09:00

“Was tut mir gut?“ – Interview mit Anke von Platen

Anke von Platen, diplomierte Oecotrophologin, arbeitete als Projektmanagerin in der Online-Branche, als ihr Arzt die "Diagnose Burn-out" stellte. Seitdem beschäftigte sie sich intensiv mit den Themen Lebensqualität und Wohlbefinden. Heute ist Anke als Gesundheits-Coach für Unternehmen und Privatpersonen und hilft Menschen, sich vor übermäßigem Stress zu schützen und gesund und energievoll zu leben.

Im Jahr 2004 wurde ein Burn-out bei Dir diagnostiziert. In welcher Lebenslage hast Du Dich zu diesem Zeitpunkt befunden?

Zu dieser Zeit war ich in einer Internetagentur als Projektmanagerin tätig und hatte viele berufliche und auch private Herausforderungen zu meistern. Ich habe sehr viel gearbeitet, gutes Geld verdient und war in der Fremdwahrnehmung sicherlich „erfolgreich“ und sehr belastbar.

Wie hat sich der Burn-out zunehmend bemerkbar gemacht? Und welches Symptom war für Dich das schlimmste?

Grundsätzlich gibt es zwei Burnout-Verläufe: entweder geht von einem Tag auf den anderen gar nichts mehr oder die Folgen der massiven Erschöpfung machen sich durch sogenannte „Sekundärsymptome“ bemerkbar, wie zum Beispiel eine Depression, Schlafstörungen oder Verdauungsstörungen. Bei mir waren es erst Symptome wie eine schlimme Grippe, Fieber, Schlaf- und Konzentrationsstörungen sowie eine immer dünner werdende Haut, depressive Phasen. Rein körperlich war alles okay. Und so habe ich nie damit gerechnet, dass ich die Diagnose Burnout erhalte und war sehr irritiert, dass ich gleich für mehrere Wochen krank geschrieben wurde, sondern hätte eher mit „ruhen Sie sich mal drei Tage aus“ gerechnet. Trotzdem habe ich vorerst von zu Hause weiter gearbeitet, bis dann wirklich gar nichts mehr ging und ich mich kaum noch für etwas aufraffen konnte. Diese innere Leere, Kraftlosigkeit und dieses Gefühl des „in Watte gepackt seins“ und alles nur noch verzerrt wahrzunehmen waren die schlimmsten Symptome.

Was hat Dir auf dem Weg aus dem Burn-out am meisten geholfen, was würdest Du anderen Betroffenen empfehlen?

Zum Einen hatte ich Glück, recht schnell externe Hilfe durch eine Psychologin zu erhalten. Ihre Einschätzung, dass es sich um eine vorübergehende Krise handelt, dass Krisen im Leben normal sind haben mich erleichtert und das Gefühl „ich bin nichts wert, ich bin nicht mehr leistungsfähig“ relativiert. Zum Anderen habe ich mir auch selbst nach einer Zeit eingestanden, dass ich Grenzen habe, dass es okay ist, erschöpft zu sein und dass es gut und eine Stärke ist, sich externe Hilfe zu holen.

Externer Rat, eine neutrale Unterstützungsperson (Psychologe, Coach) kann ich jedem empfehlen, auch zur Prävention. Ich gönne mir seit Jahren mindestens einmal im Monat ein Coaching/Supervision, um persönliche Entwicklungen zu reflektieren. Ebenfalls empfehle ich konsequent wieder zu erlernen und in sich hineinzuspüren „was tut mir gut?“ und dies dann auch zu machen, egoistisch sein, Zeit mit sich selbst verbringen, sich gutes, frisches Essen und / oder sich auch mal eine Massage gönnen. Auf kleine Schritte stolz sein.

Welche Ernährung hilft gegen Stress und Burn-out?

Ein Basic Tipp betrifft das Trinken: Wir sollten ausreichend Wasser trinken, zwischen 2-3 Liter pro Tag, am besten still. Des Weiteren gilt es wie beim Stressmanagement allgemein, stressende Faktoren / Lebensmittel zu reduzieren, wie zum Beispiel Alkohol und Kaffee. Mit weiteren Pauschaltipps tue ich mich schwer, denn Stress ist individuell. Es gibt verschiedene Stress- und Verdauungstypen, die wiederum andere Empfehlungen benötigen. Im Stress wird die Verdauung als erstes im System heruntergefahren und so können wir meist auch nicht mehr die Dinge verdauen, die wir im entspannten Zustand gut vertragen können. Grundsätzlich gibt es noch die Empfehlung aus ganzheitlicher, ayurvedischer Sicht, eher warme und gekochte Speisen bei Stress zu sich zu nehmen, weil diese einfacher zu verdauen sind und wir dadurch unseren Körper bei der Energieproduktion unterstützen.

Seit der Erkrankung hast Du Dich intensiv mit den Themen Lebensqualität und Wohlbefinden auseinandergesetzt, hast die ayurvedische Lehre und die Psychologie studiert. Seit 2008 arbeitest Du hauptberuflich als Gesundheits-Coach für Privatpersonen und Unternehmen – und zwar nach dem STRANDKORB-PRINZIP. Was ist das?

Mit dem Strandkorb wollte ein Symbol schaffen, das sinnbildlich steht für: innere Ruhe, Klarheit und Energie tanken. STRANDKORB-PRINZIP® hört sich zudem viel positiver an als z. B. „Anti-Burn-out Programm“. Doch hinter dem Symbol steht auch System. Jeder Buchstabe des Wortes „Strandkorb“ steht für ein Element des umfassenden Selbstmanagements, so dass mentale, körperliche, soziale und organisatorische Aspekte des Wohlbefindens beachtet werden. Von „S“ wie Stop, über „T“ wie Tun, „A“ wie Achtsamkeit, „N“ wie Nahrung, „O“ wie Organisation und „B“ wie Balancing.

Es werden sehr viele Einflussfaktoren des Wohlbefindens beachtet: Mentale Strategien (Zielbestimmung und Zielausrichtung, Motivation, Umgang mit Barrieren), körperliche Aspekte wie zum Beispiel Ernährung und Entspannung aber auch organisatorische Methoden werden miteinander in Beziehung gebracht. Zum Anderen sind die Empfehlungen und Maßnahmen sehr pragmatisch und alltagstauglich. Mit wenigen Veränderungen und Anpassungen können wir viel erreichen. Und das STRANDKORB-PRINZIP ist individuell und typgerecht. Es gibt nicht DIE richtige Lebens- und Arbeitsweise, sondern Empfehlungen für unterschiedliche Körper- und Mentaltypen.

Woran erkennst Du, dass ein Kunde wirklich etwas für seine Gesundheit tun will – und wird?

Jeder Kunde kommt ja freiwillig zu mir, welches ja schon sehr viel Motivation verdeutlicht. Im Coaching selbst arbeiten wir dann oft sehr pragmatisch und mit Zielbildern wie z.B. „Wie sieht es konkret aus, wenn ich gelassener bleibe?“. Je konkreter diese Bilder sind, umso besser. Ebenfalls legen wir gemeinsam „Hausaufgaben“ fest, beschäftigen uns mit den Umsetzungshürden und auch Unterstützern im Alltag. Am Ende eines Coachings schauen wir, was wirklich realistisch ist und wie hoch der Kunde sich selbst bei der Umsetzung einschätzt. Die meisten entwickeln im Coaching eine spürbare Begeisterung „endlich sehe ich, was ich für mich tun kann“ und legen sehr engagiert los. Aber auch die stilleren Kunden, die eher reserviert und skeptisch wirken, überraschen mit ihren Erfolgen.

Was sind die größten Hindernisse, die zwischen einem Menschen mit dem Wunsch, gesünder zu leben, und einer dauerhaften Verhaltensänderung stehen? Und wie kann man sie überwinden?

ir alle haben Vorstellungen im Kopf, wie es wohl ist und sein müsste, gesund zu leben. Zusammengefasst habe ich die Erfahrung gemacht, dass „Gesund“ in unserer Vorstellung nur mit „Genussverzicht und Spaßverderb“ zu erreichen ist. Und in unserem herausfordernden Alltag haben wir dazu keine Lust – und keine Zeit! Das scheint mir die zweite Hauptvorstellung zu sein „Zum Abnehmen brauche ich Zeit, zum Gelassensein brauche ich Zeit“ – die wir meinen nicht zu haben. Sprich: Wir wollen alle, aber uns fehlt das Vertrauen, dass dies wirklich im Alltag möglich ist und das Selbstvertrauen, dass wir es wirklich schaffen können. Wir können diesen Graben überwinden, indem wir uns einmal von unseren Vorstellungen trennen und auch kleinst mögliche Schritte als große Leistungen sehen. Und dann einmal schauen, ob es wirklich Genussverzicht bedeutet, wenn wir zum Beispiel ein Glas Wein in der Woche weniger trinken. Oftmals stellen wir dann fest, dass sich der Genuss vielleicht sogar erhöht, weil wir die Dinge bewusster machen.

Welche Erkenntnisse aus Deinem alten Job als Marketing-Führungskraft haben Dir geholfen, Dich erfolgreich selbstständig zu machen? Welche Tipps gibst Du jemandem, der sich mit seinem Traum selbstständig machen will?

Sehr wichtig ist, dass ich in den zehn Jahren verschiedene Unternehmen mit ihren Kulturen und Arbeitsstilen kennen gelernt habe und weiß, wie sich Stress in den verschiedenen Ebenen anfühlen kann und was auch in der Umsetzung machbar ist. Dadurch bin ich für meine Kunden authentisch und glaubwürdig. Die ganze Klaviatur des Marketing und Projektmanagement helfen mir sehr bei der Planung und Durchführung von großen Kundenprojekten oder auch bei der Erstellung meiner eigenen Werbematerialien. Am Anfang meiner Selbständigkeit habe ich in Akquise, Planung, Strategie und auch meinen Kommunikationsauftritt viel mehr Ressourcen eingesetzt als in den letzten zwei Jahren, das Geld würde ich jetzt anders investieren. Meine Tipps für alle, die sich selbständig machen möchten: Nebenberuflich anfangen und ausprobieren, sich wirklich nach der eigenen Motivation zur Selbständigkeit fragen, Netzwerke knüpfen und nutzen (virtuell und persönlich), die eigene Idee und Angebote im eigenen Freundes- und Bekanntenkreis ansprechen und diskutieren, jeden Tag an seinen Traum glauben und jeden Tag einen (kleinen) Schritt dafür tun, geduldig sein.

Herzlichen Dank!

 

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