Text von: Lena Schulte

Manchmal packt mich die Angst vorm Älterwerden. Genauer gesagt ängstigt mich die Vorstellung, dass ich irgendwann feststellen muss, dass mein bisheriges Leben eine einzige Aneinanderreihung falscher Entscheidungen ist. Nicht genug gemacht zu haben, aus den ganzen Möglichkeiten. Irgendetwas – oder alles wirklich Gute – verpasst zu haben.

Vorzugsweise übermannt mich diese Erkenntnis ganz unverhofft. Zum Beispiel auf einer sommerlich-spaßigen Gartenparty. Und dann stehe ich da. Alleine, frustriert. Zehn Mal leerer, als es mein zehntes Sektglas je werden könnte. Umzingelt von den Menschen, die im Gegensatz zu mir scheinbar alles richtig gemacht haben. Und nachdem ich das gefürchtete „Und? Was machst du so?“ tapfer beantwortet habe, folgt ein ebenfalls tapferes: „Aaah… Jaaa… Auch nicht schlecht…“

Vielleicht geht’s ja doch nicht nur mir so. Vielleicht ist die Angst, das Falsche gewählt zu haben, sogar eine latent brodelnde Massenpanik, in Zeiten, in denen es heißt: „Mit Deinen Entscheidungen bist Du für Dein Glück (aber leider auch für Dein Unglück) selbst verantwortlich!“

Puuhh… Ganz schön viel Verantwortung. Da frage ich mich doch: Woran erkennt man überhaupt eine gute Entscheidung? Bei mir hieß es nämlich meistens: Bauchgefühl, und dann mal gucken. Einen pragmatischeren Ansatz hingegen habe ich bei dem Autor und Ex-NAVY SEAL Jeff Boss gelesen. Für ihn machen die folgenden vier Punkte eine gute Entscheidung aus.

1. Eine gute Entscheidung bringt Klarheit

Besonders in Aufbruchsstimmungen, nach der Schulzeit etwa oder bei einer beruflichen Umorientierung, sehen wir oft vor lauter Möglichkeiten den Wald vor Augen nicht mehr, während der Gedankennebel immer dichter und dichter wird.

Eine gute Entscheidung lichtet dieses gedankliche Wirrwarr, wir bekommen durch sie einen klaren, geordneten Blick auf die Dinge und können uns wieder auf das konzentrieren, was ansteht. Wenn wir nicht wissen, was wir nach einer Entscheidung tun sollen, dann ist es meistens keine gute.

2. Eine gute Entscheidung lässt sich umsetzen

Wenngleich auch nicht unbedingt einfach ausführbar. Aber was ist schon einfach? Gut bedeutet hier: pragmatisch. Dass sie uns einen Plan für die Zukunft bereitstellt und mit ihm etwas Orientierung und Halt für den neuen, ungewissen Weg. Mit einer guten Entscheidung wissen wir nicht nur, was wir tun können, sondern der Plan ist auch realistisch, passt zu uns und berücksichtigt eventuell auftretende Schwierigkeiten.

3. Eine gute Entscheidung wirkt sich auch positiv auf andere aus

Eine Entscheidung bringt immer Bewegung in ein System. Umso mehr, je größer sie ist. Und je mehr man sie so nicht von uns erwartet hätte, weil sie nicht unserem gewohnten Handlungsschema entspricht. In jedem Fall muss und wird unser Umfeld darauf reagieren – mal mehr, mal weniger. Vor allem, wenn wir mal nicht so machen, wie die anderen es gern von uns hätten, geht unser Umfeld negativ in Resonanz und warnt uns vor der angeblich „schlechten Entscheidung“.

Ich denke nicht, dass eine gute Entscheidung immer nur uneingeschränkt positive Auswirkungen auf andere hat – wohl aber, dass viele Entscheidungen von anderen als „schlecht“ abgetan werden, weil sie sich von ihnen bedroht oder benachteiligt fühlen.

Doch auch wenn eine Entscheidung von anderen nicht unbedingt als gut befunden wird, wird sie ab dem Moment zu einer wahrhaftig guten Entscheidung, wenn wir dadurch zu besseren Menschen werden. Einer besseren Version von uns selbst, die dann, im Umkehrschluss, wieder positiven Einfluss auf das eigene Umfeld ausübt.

4. Eine gute Entscheidung verlangt Selbstbewusstsein von uns

Manchmal heißt gut entscheiden auch „Nein“ sagen. Nein zu einer Beziehung, die mehr zerstört, als heilt. Nein zu der letzten künstlich aufrechterhaltenden Freundschaft aus Kinderzeiten – auch, wenn man dann erst mal ganz allein ist. Nein zum geilen Sex mit der heißen Zwanzigjährigen, für die etwas weniger aufgeschlossene (aber dennoch von Herzen geliebte) Ehefrau .

Eine gute Entscheidung ist immer nur in dem Maße gut, in dem wir ehrlich zu uns selbst sind. Je besser wir uns kennen und wissen, welche Werte uns wirklich wichtig sind, desto besser können wir uns für das Leben entscheiden, das auch langfristig das Richtige für uns ist. Dafür müssen wir manchmal auch einen Schlussstrich ziehen und uns von Traumschlössern, Menschen und Gewohnheiten verabschieden. Und das braucht manchmal ein Maß an Mut von uns, mit dem man ein ganzes Dorf versorgen könnte.

Das Ding mit Entscheidungen ist: Selbst die allerbeste garantiert nicht, dass wir nicht doch ab und zu darüber nachgrübeln, wie unser Leben mit einer anderen verlaufen wäre. Ich denke, das ist normal. Der Konjunktiv wird wohl immer irgendwie einen gewissen Reiz auf uns ausüben. Doch wenn wir auf diese vier Punkte achten, können wir den reumütigen Gedankenkarussellen unseres Zukunfts-Ichs mit dem Wissen entgegentreten, dass wir zu dem Zeitpunkt der Entscheidung unser Bestes gegeben haben.

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