|22. Februar 2013 23:00

Den Stein ins Rollen bringen – eine einfache Technik, um deutlich produktiver zu sein (von Stephan Wießler)

Ein Gastbeitrag von Stephan Wießler, Trainer und Coach für Ausstrahlung und Veränderung.

Ich sitze zu Hause in meinem „Homeoffice“. Ich habe mich als Trainer und Coach selbständig gemacht. Meine Homepage existiert, ist aber bei weitem nicht fertig und schon gar nicht perfekt. Mein Coaching-Konzept schwirrt in Form von tausend unstrukturierten Gedanken durch meinen Kopf.    

Ich weiß, was ich will, habe aber keine Ahnung, wie ich das anstellen soll. Mir fallen zahlreiche Aufgaben ein, die noch zu erledigen wären. „Ich sollte noch weiter an der Homepage arbeiten“, „Mein Coaching-Konzept muss besser ausgearbeitet werden“, „Ich muss meine Zielgruppe noch genauer definieren“ oder „Auf was genau möchte ich mich spezialisieren?“ schießt es mir durch den Kopf.

Und während mir diese Gedanken durch den Kopf jagen, weiß ich insgeheim, dass eine andere Aufgabe viel wichtiger ist, als all die kleinen Tätigkeiten, die sich mir gerade aufdrängen. Natürlich muss die Homepage irgendwann fertig sein. Und natürlich brauche ich ein Coaching-Konzept.

Aus meiner Erfahrung habe ich aber gelernt, dass wenn ich mich nur diesen Aufgaben zuwende, ich niemals mit der eigentlichen Arbeit beginnen werde. Ich weiß tief in mir drin, dass es an der Zeit ist, mir einen ersten Kunden zu beschaffen. Das ist viel wichtiger, als alles andere.

Ein typisches Muster. Erst muss alles perfekt sein, damit ich mit meinen Coachings beginnen kann. Die Homepage muss bis auf das letzte Komma fertig sein. Das Konzept am besten so gestaltet, dass es auf jeden Menschen auf der Welt anwendbar ist und mir eine Garantie gibt, dass es auf jeden Fall funktionieren wird.

Weitere Überlegungen schließen sich an. Ich denke darüber nach, was noch alles passieren muss, damit ich endlich mit dem beginnen kann, was ich wirklich machen will. Mit dem Coaching.

Während mir all diese Aufgaben und Ideen durch den Kopf sprudeln wird mir eines klar: Es ist Zeit anzufangen. Ich weiß, dass alle diese anderen Tätigkeiten nur eine Ablenkung vor der eigentlichen Aufgabe sind. Nichts wird jemals perfekt sein. Das gibt es nicht.

Ich spüre, dass der Zeitpunkt da ist. Ich werde nervös und ein unangenehmes Gefühl breitet sich in mir aus. Ich habe diesen Moment schon weit genug hinaus gezögert und ich weiß einfach, dass das der nächste Schritt ist, der erfolgen muss.

Trotz dieses unangenehmen Gefühls treffe ich eine Entscheidung und ziehe sie durch! Ich suche mir ein Forum im Internet, bei dem ich das Gefühl habe, dass sich dort Menschen tummeln, denen ich etwas geben kann.

Ich schreibe einen Post: „Einmonatiges Gratiscoaching für drei Personen“. Ich fühle mich nicht bereit und weiß doch, dass es diesen Moment des bereit seins nicht gibt. Ich tue es einfach, obwohl ich die Angst davor eindeutig spüren kann.

Noch am selben Tag melden sich neun Interessenten bei mir. Ich schreibe sie alle persönlich an und hinterfrage jeweils die Motivation. Es hat begonnen.

In den nächsten Tagen wähle ich drei Personen aus und lege einen Zeitpunkt für ein erstes Treffen fest. Jetzt weiß ich genau, was zu tun ist. Ich habe einen ersten Eindruck von meinen zukünftigen Klienten bekommen und entwickle daraufhin ein Konzept, wie ich an die Sache herangehe.

Noch vor dem ersten Treffen bekommen alle einen Fragebogen zur Erstanalyse zugeschickt. Die Ergebnisse davon zeigen mir meinen weiteren Weg. Es gibt keinen Weg mehr zurück oder vorbei. Jetzt muss ich handeln. Ich habe es selbst terminiert.

Das erste Treffen läuft fantastisch. Genauso wie die Folgetreffen. Meine Kunden und ich sind sehr zufrieden mit den Ergebnissen. Ich fühle mich gut und bin stolz auf mich, diesen Weg trotz aller inneren Hindernisse gegangen zu sein. Bald darauf habe ich meine ersten zahlenden Kunden. Mein Unternehmen ist angelaufen und was einst so schwierig schien macht einfach nur noch Spaß.

Und meine Homepage? Die ist immer noch nicht perfekt. Das ist aber überhaupt nicht weiter schlimm, denn die viel wichtigeren Schritte habe ich bereits unternommen. Ich hatte nun mehrere zufriedene Kunden und dadurch mehr gelernt, als ich durch basteln an der Homepage jemals hätte lernen können.
Triff eine Entscheidung und lege Dich fest

Es gibt Mechanismen, die uns vor unserer Entwicklung zurückhalten. Beliebt dabei sind:

1.    Aufschieberitis

„Ich muss erst noch dies und das erledigen, bevor ich anfangen kann…“. Wenn ein solcher Satz Deine Lippen verlässt oder sich in Deinem Kopf ausbreitet, dann solltest Du gewarnt sein!

Natürlich, manchmal ist das wirklich so, dass vor dem B das A stehen muss. Häufig aber auch nicht.

Unsere Angst gibt uns einfach Argumente, warum wir mit dem, was wir wirklich machen wollen noch nicht beginnen können.

Sei Dir darüber bewusst, akzeptiere das und tue es sofort! Es gibt keinen besseren Moment als sofort. Wenn Du weiter wartest, wird es nicht besser werden, nur später oder sogar niemals.

Ich zum Beispiel habe mir inzwischen angewöhnt die unangenehmsten Dinge als erstes zu tun. Oft realisiere ich dann, dass diese doch nicht so schlimm sind und kann mich dann den angenehmeren (aber oft unwichtigeren) Dingen widmen.

2.    Planeritis

Auch sehr beliebt ist die Planeritis. Erst mal noch einen Plan machen, bevor es losgehen kann. Dabei hast Du wahrscheinlich schon zehn verschiedene in den vergangen Tagen ausgearbeitet. Ein weiterer Plan wird es Dir nicht einfacher machen.

Auch hier gilt: Fang an!

Ich bin ein sehr großer Freund von Plänen. Ich arbeite gerne damit. Doch sobald der Plan steht, fange ich auch sofort an, ihn umzusetzen. Auch der Plan wird niemals perfekt sein, also bleib bei dem, den du entwickelt hast und zieh es durch.

Lass Dich nicht von Deinen eigenen Gedanken täuschen! Du hast schon alles was Du brauchst. Lege Dich jetzt fest.

3.    Perfektionismus

Natürlich muss erst mal alles perfekt sein, bevor Du mit der eigentlichen Aufgabe beginnen kannst. Das ist ja klar. Ich meine was sollen denn die Kunden denken, wenn die Texte auf Deiner Homepage noch nicht 100% ihre volle Wirkung entfalten?

Mach Dir eines klar: Es wird nie, nie, nie, nie, niemals perfekt sein!

Fang an zu handeln statt Dich von Perfektionismus zurückhalten zu lassen. Je öfter Du handelst und je mehr Erfahrungen Du machst, desto mehr wirst Du Deinen Perfektionismus verlieren und desto klarer wird Dir, dass es vollkommen in Ordnung ist, wenn etwas nicht perfekt ist. Ja, sogar das es gut ist, dass nichts perfekt ist!

Es ist auch vollkommen in Ordnung, wenn Du Fehler machst. Durch Fehler lernst Du bedeutend mehr, als nur durch Erfolgserlebnisse, oder durch Untätigkeit. Fehler zu machen ist gut! Daran wächst Du ungemein.

Zusammengefasst: Was musst Du tun, um zu handeln und dadurch Deine Produktivität zu steigern?

1.    Triff eine Entscheidung

Entscheide Dich ganz bewusst dazu die wirklich wichtigen Aufgaben sofort anzugehen. All die kleinen Aufgaben wie in meinem Beispiel das Homepage ausarbeiten und das Erstellen des Coaching-Konzeptes ergeben sich dann nebenbei von ganz alleine. Da sie Teil der Entwicklung sind.

Dadurch, dass Du Dich für die wichtige und richtige Aufgabe entschieden hast (bei mir: Kunden suchen), muss alles andere sowieso geschehen (Coaching-Konzept ausarbeiten).

Entscheide Dich jetzt!

2.    Terminiere

In meinem Beispiel habe ich dann sofort einen Termin für ein erstes Treffen festgelegt. Dadurch halte ich mich selbst vor Aufschieben ab.

Du kannst nicht mehr Aufschieben, sobald der Termin steht! Triff eine Entscheidung und lege einen Zeitpunkt fest. Am besten, wie in meinem Beispiel, mit einem oder mehreren anderen Menschen. Auch wenn Du Dich noch nicht bereit fühlst.

Steht der Zeitpunkt erst einmal fest, machst Du ganz automatisch die nötigen Sachen, die Du dafür benötigst!

Je mehr Du diese Technik anwendest, desto einfacher wird es. Du durchbrichst Deine Dich aufhaltenden Muster. Und durch die Erfahrungen und Referenzerlebnisse, die Du dadurch erfährst, steigt dein Selbstbewusstsein enorm.

Fang jetzt damit an!

 
 

Der Autor:

Stephan Wießler ist Trainer und Coach für Ausstrahlung. Er hat sich in der Vergangenheit selbst mit einigen Blockaden zu kämpfen gehabt und hat alles Mögliche ausprobiert, um sich davon zu befreien. Und das mit Erfolg. Darüber und über viele andere Themen rund um Persönlichkeits-entwicklung schreibt er regelmäßig auf seinem Blog. Er gibt seine Erfahrungen auch in Seminaren und persönlichen Coachings weiter. Seine Angebote findest Du hier.  Informationen zu seinem Seminar: Charisma – Ausstrahlung, Selbstbewusstsein, Freiheit findest Du hier: www.charismanow.de.

 

 

 Photo: JakeandLindsay Sherbert

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1 Kommentar

  • Hallo Stephan!

    Vielen Dank für diesen wirklich sehr guten Text. Ich habe mich da in der Form wieder gefunden, wie ich früher gestrickt war. Durch meine geistige Führung vanlasst habe ich dann irgendwann einfach mal drauflos gewurschtelt. Ich hatte weder Produkt noch Zielgruppe noch irgend einen Plan. Ich wollte einfach das bestimmen, was auf dem Monitor passiert und habe mich in die Webseitengestaltung reingekniet, bis ich plötzich über die Zielgruppe gestolpert bin und auch weiß, wie ich sie erreichen kann.

    Ich bin über Tims Eintrag http://mymonk.de/wenns-mal-wieder-bei-dir-reinregnet/#comment-13932 auf Deinen Beitrag gestoßen. Die ergänzen sich gut.

    Herzliche Grüße
    Peter

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