|5. Januar 2012 22:11

Burn-out – Verlauf

Ein Burn-out steht nicht plötzlich vor der Tür, oder neben dem Bett, wenn man aufwacht. Stattdessen handelt es sich um einen jahrelangen Prozess, den Betroffene oft lange Zeit gar nicht bewusst wahrnehmen. Erst, wenn kein Weg mehr zurückführt und sich die Patienten in Behandlung begeben, zeigt sich häufig, dass es einen bestimmten Auslöser gegeben hat. Zum Beispiel eine optimistische Entscheidung, mit deren Konsequenzen man später doch überfordert war.

Vielleicht hat der Betroffene eine neue berufliche Herausforderung angenommen, dem er nicht gewachsen war. Oder er hat seine kranke Mutter zu Hause aufgenommen, um sie zu pflegen. Was zunächst als richtig und machbar erlebt wurden ist, stellt sich dann als Fehlentscheidung hinaus, die an den Kräften zehrt, bis sie (fast) aufgebraucht sind. Dann aber hat man bereits persönlich investiert, hat sich in den Job eingearbeitet, oder Geld für Umbaumaßnahmen im Haus ausgegeben, der kranken Mutter zuliebe. Und vor allem hat der Betroffene die Entscheidung in sein Selbstbild einfließen lassen: „Wahnsinn, bin ich ein Karrieretier“, „Ich bin jemand, der seiner Familie alles bieten kann“ oder „Ein guter Sohn pflegt seine Eltern, und ich bin ein guter Sohn“.

Ein einmal vorhandenes Selbstbild kämpft gegen Außeneinflüsse, die es gefährden. Gedanken wie „vielleicht schaff ich das doch alles nicht so, wie ich’s mir vorgenommen habe“ werden verdrängt, kleingeredet.

Die Vorteile: ein stabiles Selbstbild kann Halt geben in einer Welt voller Unsicherheiten. Es gibt so lange keine Niederlage, so lange man sie sich nicht eingesteht. Man muss außerdem keine neue Entscheidung treffen. Und die persönlichen Investitionen der Vergangenheit (Mühe, Zeit, Geld) waren auch nicht für „umsonst“.

Der Nachteil: der Betroffene gerät immer tiefer in einen Strudel aus Überforderung, Selbstlüge und Erschöpfung. Hinzu kommt, dass die Kraftlosigkeit vor der Umwelt verborgen werden soll, was vor allem eines mit sich bringt: noch mehr Überforderung, noch mehr Kraftlosigkeit.

Während dieser Zeit entsteht ein innerer Konflikt, der zu größeren und immer größeren Stress führt. Gehandhabt werden kann dieser scheinbar nur, indem der Betroffene seine Selbstwahrnehmung einschränkt – und somit auch seine Gefühle immer weniger wahrnimmt. Man läuft in eine Sackgasse.

Können einen Freunde und Familie nicht zur Vernunft bringen?

Das ist leider schwierig. Die Betroffenen nehmen ihre Situation ganz anders war als die Umwelt und fühlen sich missverstanden, ziehen sich häufig auch zurück – oder sorgen durch Gereiztheit und Zynismus dafür, dass sie die geliebten Mitmenschen abschrecken. Wer sich jedoch nicht mehr in seinen Mitmenschen spiegeln kann, gleitet noch weiter ab, nimmt die Dinge noch verzerrter wahr, vereinsamt immer weiter und hat immer weniger Ressourcen, um mit den Anforderungen des Lebens klarzukommen.

Kommen dann noch körperliche Symptome a la Herzrasen oder Blutdruckkrisen dazu, wie das beim Burn-out häufig der Fall ist, empfindet der Betroffene einen Kontrollverlust und fühlt sich bedroht und ausgeliefert.

(W)Ende – FALL 1: widerwillig Hilfe suchen

Trotz der Erschöpfung und Bedrohung wehren sich die meisten Patienten lange Zeit dagegen, einen Arzt aufzusuchen. Nur die eigene Einsicht (seltener) oder beharrliche Familienmitglieder, Freunde oder Kollegen (häufiger) führen letztendlich dazu, loszulassen und Hilfe zu suchen.

Wenn die Betroffenen dann zum Arzt gehen, so berichten zahlreiche Hausärzte und Therapeuten, tun sie es eher widerwillig und beschwichtigend: „So schlimm ist es gar nicht // Jetzt gerade ist es schon wieder viel besser // Lassen Sie mich noch eins, zwei Projekte in der Arbeit zu Ende machen.“ Viele, das berichten die Ärzte ebenfalls, sind dann froh über ein ärztlich-autoritäres: STOP, über ein „Nein, es geht nicht mehr. Sie brauchen Hilfe, jetzt.“. Und viele brechen dann erstmals schluchzend zusammen und gestehen sich ein, dass sie völlig ausgebrannt sind. Das Leben scheint am Ende zu sein.

Ist es aber nicht, denn mit dem Eingeständnis, mit einem Behandlungsplan und den ersten kleinen oder größeren Schritten in Richtung Genesung kann die Welt nach und nach wieder weniger tiefschwarz aussehen.

(W)Ende – FALL 2: vitaler Notfall

Andere Patienten, die es nicht von selbst zum Arzt schaffen, werden irgendwann von ihrem Körper dazu gezwungen. Ein dauerhaft von Hyperstress und Erschöpfung überstrapazierter Organismus kann unterschiedliche Warnschüsse abgeben, zum Teil auch lebensgefährliche:

  • Der Körper wird nicht mehr gespürt, der Patient denkt, er könne seine Gliedmaßen nicht mehr fühlen oder bewegen („Dissoziationen“)
  • Herzinfarkte
  • Panikattacken, in der Regel nächtlich
  • Suizidversuche: besonders dramatisch ist hier erstens, dass vollständig erschöpfte Menschen häufig noch die Kraft aufbringen, eine definitive Entscheidung über den Freitod zu treffen. Scheitert der erste Versuch, folgt häufig schnell der nächste. Zweitens haben Menschen im Burn-out weniger Selbstheilungskräfte. Von provozierten Autounfälle zum Beispiel können sich Betroffene daher weitaus weniger schnell erholen bzw. sie überstehen.
  • Reaktionslosigkeit, so stark, dass die Gesundheit im Alltag gefährdet wird
  • Überdosierung von Medikamenten oder Drogen ohne Suizidabsicht

 

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Burn-out vorbeugen (Prävention)
Quellen

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