Matthias Dhammavaro Jordan lebte von 1989 bis 2001 als buddhistischer Mönch der Theravada-Tradition in Thailand, studierte und praktizierte dort intensiv die buddhistische Philosophie und Psychologie sowie die Meditation. Auf Zeiten in absoluter Zurückgezogenheit kann Matthias ebenso zurückblicken wie auf ein Ausbildung zum Hospizhelfer. Heute arbeitet er als Heilpraktiker (Psychotherapie), Meditationslehrer und Focusing-Begleiter. Über seine Begegnungen mit Mönchen, der Einsamkeit und mit dem Tod spricht er im myMONK-Interview.

Mit 33 Jahren sind Sie für lange Zeit in ein thailändisches, buddhistisches Kloster gegangen. In welcher Situation befanden Sie sich zu diesem Zeitpunkt, und warum war es ausgerechnet ein thailändisches Kloster, das Sie angezogen hat?

matthias-dhammavaro-jordanZu diesem Zeitpunkt war ich selbständiger Gartenbauer in Berlin und konnte mir im Winter erlauben, nach Asien zu fliegen. Dort hörte ich von der Möglichkeit, in einem buddhistischen Kloster Meditation zu lernen. Und dort begegnete ich Ajahn Buddhadasa. Ich fühlte mich zuhause angekommen und dieser Ort (Suan Mokkh) hatte eine faszinierende Anziehung auf mich. Zwei Jahre später ordinierte ich in Wat Pah NaNa Chat, einem Zweigkloster von Ajahn Chah.

Haben Sie sich oft einsam gefühlt, in den Jahren in Thailand?

Anfangs wanderten meine Gedanken zu meinen Freunden nach Berlin und was sie wohl gerade machten. Aber tief drinnen wusste ich, dass ich gerade am richtigen Ort zur richtigen Zeit war und nirgendwo auf der Welt irgendetwas verpassen würde.

Auf Ihrer Website schreiben Sie vom „Leben in der Zurückgezogenheit intensiver meditativer Praxis und Selbsterfahrung.“ Heißt Zurückgezogenheit, dass Sie nicht einmal mehr das Kloster um sich herum hatten? Wie haben Sie diese Zeiten der Zurückgezogenheit erlebt? Und was haben Sie daraus gelernt?

Ich lebte ca. 2 Jahre an einem Platz, im Nordosten von Thailand, direkt am Maekong.

Hier lebte ich meist mit nur eins bis zwei anderen Mitmönchen und hatte eine Hütte oder eine Höhle in der ich lebte, ein wunderbarer Ort. Ich lernte viel über die Meditation und die Wirkungsweise unseres Geistes. Sah dieses ewige Filmkino, das immer irgendetwas auf dem Programm hat und entdeckte auch diese Stille des Geistes, die keine persönliche Bezeichnung mehr zuließ, erlebt als tiefer, stiller innerer Frieden. Dort wurde mir der Satz von einem meiner Lehrer, Ajahn Buddhadasa, deutlich: „Es gibt nichts, was es wert wäre, zu sein, zu haben oder zu werden.“

Für wen ist ein kurzer oder auch längerer Klosteraufenthalt besonders hilfreich?

Für alle die sich dafür interessieren!!

Was ist Focusing? Und wie kann es uns helfen?

Focusing ist eine innere Achtsamkeit, körperliche Empfindungen zu erfühlen, wofür es erstmal keine Worte gibt. Es wird hier nur gefühlt und es geht darum zu erkennen, dass ich diese Gefühle habe aber nicht bin und so kann ich mir einen inneren Freiraum schaffen. Auf dieser Grundlage des inneren Raums, kann man dann verschiedene Themen zu sich holen und fühlen, was der Körper dazu zu sagen hat.

In der psychosozialen Betreuung haben Sie in einem Wiesbadener Hospiz hospitiert und sich später als Hospizhelfer ausbilden lassen. Was hat Sie der Aufenthalt im Reich des Sterbens über das Leben gelehrt? Und kann uns die Konfrontation mit der eigenen Endlichkeit helfen, die Zeit bis zum Tod intensiver und nach unseren Herzenswünschen zu leben?

Die Tatsache unseres eigenen Todes ist eine sehr wichtige Betrachtung. Der Buddha empfahl, diese Kontemplation jeden Tag öfter zu üben.

Wenn wir diese einzige Tatsache unseres Lebens, was die Zukunft angeht, ernst nehmen und unser Geist das wirklich versteht, wird das Leben leichter. Es bringt mich mehr in den Moment, ich lerne die kleinen Dinge zu schätzen, Sorgen und Ängste über die Zukunft werden nicht mehr ernst genommen oder entstehen gar nicht mehr und ich folge mehr meinem Herzen. Die Betrachtung über den Tod führt uns auch in Liebe zusammen. Die großen Waldmönche in Thailand begannen oft ihre Lehrreden mit dem Satz: Liebe Brüder und Schwestern in Geburt, Alter, Krankheit und Tod.“ Wenn diese Tatsache unserer Existenz wirklich durchdrungen wird, werden ich sehr wählerisch, wie ich meine Zeit verbringe und sie nährt den spirituellen Samen in uns, um herauszufinden, worum es hier in diesem Leben eigentlich wirklich geht und die Frage: Wer bin ich eigentlich?, möchte beantwortet werden. Und zu guter Letzt: Wer sich mit dem Tod beschäftigt, wird die Angst vor ihm verlieren.

Wenn Sie dem Leser ein einziges Buch empfehlen könnten, welches wäre das und warum?

Ich bin schon vor vielen Jahren über den Namen JEAN KLEIN ‚gestolpert‘. Er war ein Advaida-Lehrer und hat ein paar Bücher geschrieben. Er hat das menschliche Dasein in all seinen Facetten beleuchtet und es ist immer eine kleine Offenbarung, wie er die Dinge darlegt. Ein Buch heißt: , Wer bin ich? Was ist der Mensch? ‘  Das würde ich empfehlen!

Wo können die Leser mehr über Sie und Ihre Arbeit erfahren?

Ich habe zwei Websites: www.Dhammavaro.de ist eine allgemeine Seite wo ich einiges an Artikeln und Literaturhinweisen stehen habe.

Unter www.Achtsamkeits-Training.com sind meine Angebote speziell zu den Meditations- und Achtsamkeitstrainingsangeboten zu finden.

Ich bedanke mich für die Möglichkeit dieses Interview geben zu dürfen.

Herzlichen Dank!

 

Photo (oben): Leland Francisco