Die Hochzeit steht bevor. Am nächsten Tag. Familie, Freunde, alle eingeladen. Alles geplant. Alles durchdacht. Und doch: Da ist irgendein ungutes Gefühl in ihrem Bauch, erst schwach, dann stärker und stärker … und es ist nicht die normale Angst. Sie will es verdrängen, legt sich ihre Gedanken zurecht – der Verlobte ist toll und behandelt sie gut, und wie sollte sie ihm und den anderen einen Rückzug erklären – doch die Gedanken liegen nur dünn wie Pergamentpapier auf dem inzwischen messerscharf stechenden Gefühl.

Oder ein neues Jobangebot. Super Gehalt. Super Aufgaben. Supergeil. Und doch: Irgendetwas ist da nicht so, wie es sein sollte, irgendetwas in seiner Magengegend drückt und klemmt, wenn er daran denkt, irgendwas passt einfach nicht … aber er wäre doch ein Idiot, das auszuschlagen … andererseits …

Situationen wie diese kennen wir wohl alle.

Was tun, wenn der Kopf entweder nichts weiß, auch nicht nach Stunden, Tagen, Wochen des Grübelns, oder wenn der Kopf etwas anderes sagt als der Bauch?

„Hör auf Dein Bauchgefühl“ heißt es dann oft.

Manchmal folgen wir diesem Rat dann und manchmal nicht. Dabei gibt es eine Menge guter Gründe, die inzwischen von Psychologen und Neurowissenschaftlern erforscht sind, warum wir im Zweifel wirklich auf unsere Intuition vertrauen sollten (und ihr zumindest immer zuhören).

Hier sind drei dieser Gründe:

1. Deine Intuition enthält all Deine Erfahrungen aus der Vergangenheit und alles, was Du aus ihnen gelernt hast

Intuition kommt nicht von außen, nicht von Gott oder dem Universum. Sie kommt von innen. Das macht sie nicht weniger wertvoll. Im Gegenteil.

Je mehr Erfahrungen Du in einem Bereich gesammelt hast, umso präziser werden die Ratschläge Deiner Intuition. Sie kennt Dich, Deine Bedürfnisse und Dein Leben besser als jeder Außenstehende. Zwar können auch die Ansichten anderer Menschen helfen – jedoch eher als Zusatzinformation, nicht als Basis für Deine Entscheidung. Am Ende weiß keiner so gut wie Du, was für Dich richtig ist.

2. Deine Intuition ist ein Netz aus Fakten und Gefühlen in Deinem Gehirn

Die Intuition verknüpft Deine Körper, Deine Gefühle und Deinen Geist und wie sie alles bisher Erlebte verdaut haben. Sie bündelt es, schafft eine Einheit, die einem Magneten gleich die Kompassnadel für die bestmögliche Entscheidung eicht. Dieses Netz aus Fakten und Emotionen fühlt man als belebend, aufgehend, befreiend, freudig nervös, wenn die Intuition „Ja!“ sagt. Und als schwächend, sich zusammenziehend, beklemmend oder voller dunkler Angst wenn sie „Nein!“ rät.

3. Deine Intuition verbindet Dich mit allen Nervenzellen in Deinem Körper

Die Schmetterlinge im Bauch oder das Gefühl, dass etwas nicht stimmt, sind das Ergebnis von Millionen dort sitzender Nervenzellen. Das Gehirn arbeitet überwiegend im Unterbewusstsein und dieser unterbewusste Teil des Gehirns sendet Signale an die Nerven, um das bestimmte Gefühl hervorzurufen. Unsere Intuition speist sich aus weit mehr als den paar Prozent des Denkens und der Erinnerungen, auf die unser Verstand bewusst zugreifen kann. Bauch und Herz haben Gründe, die der Kopf nicht immer versteht. Hören wir auf sie, hören wir auf unser ganzes Wesen – nicht nur auf einen klein Teil des Hirns.

Wie Du Deine Intuition befragen kannst

Ich bin eigentlich ein Kopfmensch. Ich bedenke und zerdenke alles, kaue auf den Gedanken herum, bis gar nichts mehr geht. Es gab aber einen Punkt in meinem Leben, ab dem ich viel mehr auf mein Bauchgefühl hörte. Ratlos stand ich zu dieser Zeit vor einer großen Frage. Sollte ich in Leipzig mein unglückliches Leben und Studieren fortsetzen … oder das Studium abbrechen und den Neuanfang in einer anderen Stadt wagen, ohne jede Sicherheit, dort je wieder einen Studienplatz zu bekommen (mein Abi war nicht gerade herausragend)?

Ein paar Monate dachte ich darüber nach. Vor und zurück im Kopf, hin und her. Ohne Antwort. Dann suchte ich zum ersten Mal einen Coach auf. Er zeigte mir eine Übung, die ich noch heute nutze, zehn Jahre später, wenn sich der Weg vor mir gabelt. Sie geht so:

  • Nimm einen Stift und mehrere Blätter Papier.
  • Schreib jeder Deiner Möglichkeiten auf je ein Blatt Papier.
  • Überlege, ob Dir noch weitere Möglichkeiten einfallen, ob es nicht statt zwei Optionen drei oder vier für Dich geben könnte.
  • Leg die Blätter auf den Boden.
  • Stell Dich auf eines dieser Blätter. Schließe Deine Augen. Stell Dir Dein Leben nach dieser Entscheidung möglichst genau vor. Dann konzentriere Dich auf das Gefühl, dass Du dabei hast. Wiederhole es mit dem zweiten / dritten / vierten Blatt.
  • Vergleiche die Gefühle und entscheide Dich für die Option, die sich am besten anfühlt.

Seit ich auf mein Bauchgefühl zu hören begann, bin ich immer gut damit gefahren.

Und in den Tausenden von Mails, die ich von myMONK-Lesern bekommen habe, stand in keiner einzigen: „Hätte ich mal besser nicht auf meine Intuition vertraut“.

Wann habt ihr das letzte mal bei einer großen Entscheidung (nicht) auf euer Bauchgefühl gehört?

 

Mehr dazu unter Was Dein Herz Dir sagen will (unglaubliche Studien + Übung).

 

Photo: Nick Kenrick