Ärger und Wut sind normale und berechtigte Gefühle – wenn sie angemessen lang und angemessen stark auftreten. Sind wir jedoch von diesen Stress verursachenden Emotionen gefesselt, können wir nicht entspannt leben. Um Ärger und Wut zu überwinden, müssen wir zunächst verstehen, wann und warum wir die Gefühle erleben.
Mit Wut reagieren wir nicht zwangsweise und automatisch auf eine Situation. Erst unsere Wahrnehmung und unsere Gedanken machen aus dem Kollegen oder Nachbarn, der uns mal wieder ein Bein stellen will, eine Wut-Empfindung.
Ein Wutprotokoll hilft dabei, den Ursachen der Wut auf die Schliche zu kommen und zu überprüfen, ob wir angemessen reagieren oder überreagierne.
Es besteht aus vier Spalten:
Ein Beispiel:
| Situation | Gedanken | Wutlevel | Bedeutung |
| Der Bus kommt zu spät. | „Mein Tag ist ruiniert, das war’s! Der Scheißverkehr!“ | 6 | 1 |
| Mein Kollege hat einen Fehler gemacht, den er nicht zugeben will. Nun verdächtigt mich der Chef und ich bekomme eine Standpauke. | „Dieses miese Kollegenschwein. Der hat mich so was von verarscht und in die Scheiße geritten, ich könnte ihn umbringen!“ | 9 | 6 |
Die notierten Gedanken zeigen, welche erlebten Verletzungen hinter der Wut stehen. Der Beispielgeber fühlt sich etwa übergangen, verraten vom Kollegen. Das wollte der Kollege vielleicht gar nicht. Möglicherweise war ihm nicht so bewusst, dass sein Fehler nun auf uns zurückfällt, vielleicht wollte er nur aus Angst vor dem Arbeitsplatzverlust leugnen, dass er selbst verantwortlich war – ohne böse Absicht uns gegenüber. Erst unser Denken („der wollte mich verarschen und in die Scheiße reiten“) lässt aus der Situation eine Wut in uns wachsen. Die Gedanken können wir aber mit etwas Übung steuern oder zumindest schnell im „Selbstgespräch“ relativieren.
Anschließend vergleichen wir unsere Reaktion mit der Bedeutung der Situation. Eine Diskrepanz zwischen dem Wutlevel und der Bedeutung weist darauf hin, dass wir uns nicht im Gleichgewicht befinden. Im oberen Beispiel ist das vor allem beim verspäteten Bus der Fall. Auf eine recht harmlose und bedeutungslose (1) Situation reagiert der Beispielgeber mit einer mittelstarken Wut (6). Das zeigt: wir sind im Ungleichgewicht, mehr Zeit für uns und entspannende Aktivitäten wären jetzt sehr förderlich.
Ist die Wut viel stärker oder hält sie viel länger an, als es die Situation hergibt, sind daran meist Denkweisen beteiligt, die unsere Wahrnehmung verzerren und die Wut vergrößern.
Mehr dazu unter Stressbewältigung – Wie wir uns selbst Stress machen und wie wir damit aufhören können.
| Ärger und Wut Ärger und Wut überwinden – Die eigene Wut verstehen Ärger und Wut überwinden – Ausrasten oder unterdrücken? Ärger und Wut überwinden – Rache oder Vergebung? |
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