Mir reicht’s. Echt. Ich hab genug gekämpft, genug geschwitzt, geblutet und geheult. Wenn das alles nur ein Tal der Tränen sein soll, das vorübergeht: warum steht mir dann das Wasser so hoch, dass ich fürchten muss, darin zu ertrinken? Ist’s nicht längst an der Zeit, jetzt aufzugeben?

So ging’s mir schon oft. Privat, als mich täglich die Einsamkeit gefressen und wieder ausgekotzt hat. Im Studium, als sich unmenschlich viele, vor mir hergeschobene Prüfungen aufgetürmt hatten. In der Selbstständigkeit, als mein Konto, mein Kühlschrank und mein Magen wieder mal so gut wie leer waren.

Wofür die ganze Scheiße?

Warum noch weiter strampeln?

Weil es gute Gründe gibt, jetzt noch nicht aufzugeben.

Nicht immer allerdings.

Durchhalten oder Schlusstrich ziehen?

Klar, manchmal ist es klug, die Segel zu streichen. Manchmal ist die Beziehung einfach im Arsch, der große berufliche Traum entpuppt sich als Schnapsidee, der Flug zum Mond klappt doch nicht mit dem selbstgebastelten Seifenkistenraumschiff.

Nur: wie kann man erkennen, ob die Sache es wert ist, dran zu bleiben, durchzuhalten, im Tal der Tränen weiter nach Luft zu schnappen, mit Blick auf unser Ziel?

Eine Entscheidung muss her.

Ein paar Ansätze, die Dir dabei helfen können:

  • Bin das wirklich ich? Blogger-Ikone Steve Pavlina nutzt eine einfache Frage, wenn er sich entscheiden muss. Er fragt sich: „Bin das wirklich ich?“. Jede wichtige Entscheidung sollen wir unser wahres Selbst ausdrücken. Tief im Inneren, sagt Steve, wissen wir, was zu uns passt und was nicht. Hier also: passt der Weg, den ich gerade gehe, wirklich zu mir, ist das wirklich mein Weg – macht er mich stärker, liebevoller, bewirkt er Gutes?

    Wenn die Antwort nein ist, ist das auch gut. David Allen, Autor von Getting Things Done, das sich millionenfach verkaufte, arbeitete vor seiner Karriere als weltweiter Produktivitätsexperte als Taxifahrer, Gärtner, er verkaufte Vitamin-Produkte und Mopeds, war Reisekaufmann, hat eine Tankstelle geleitet und kochte in einem Restaurant. Ziemlich viele Brüche im Lebenslauf. Er hätte auch weiter als Taxifahrer arbeiten können, den Job hatte er ja bereits sicher und mit ihm sein Einkommen, oder als Koch oder Tankwart, aber das war nicht das, wonach sein wahres Ich strebte.

    Siehe auch Was Dein Herz Dir sagen will (unglaubliche Studien und Übungen)

  • Die Folgen durchdenken: Auch die folgenden Fragen können Dir dabei helfen, klarer zu sehen:

    Warum hast Du Dir das Ziel damals gesetzt? Hat sich an den Gründen etwas geändert?

    Was passiert im schlimmsten Fall, wenn Du noch ein bisschen länger durchhältst? Verbessert sich Dein Leben, wenn Du einen Schlussstrich ziehst?

    Fürchtest Du insgeheim, das Ziel zu erreichen?

    Dagegen hilft uns die Frage: „Wie viel habe ich schon investiert?“ nicht weiter. Zu oft halten wir an einem Ziel fest, weil wir meinen, schon so viel Energie hinein gesteckt zu haben, dass es wirklich blöd wäre, aufzugeben. Dabei ist es viel blöder, noch mehr Energie in die Sache zu investieren.

  • Tal oder Sackgasse? Marketing-Experte Seth Godin rät, bei Tälern voranzuschreiten. Und bei Sackgassen umzudrehen.

    Täler sind schwierige, oft lange Zeiten, in denen wir feststecken, wenn sich der anfängliche Enthusiasmus abgenutzt hat und bevor wir unser Ziel erreicht haben. Zeiten, in denen es sinnvoll erscheint, aufzugeben … aber nicht sinnvoll ist. Für nahezu alle Ziele, die etwas wert sind im Leben, müssen wir auf dem Weg solche Täler durchschreiten. Im Tal spüren wir, dass das Ziel erreichbar ist, auch wenn Wolken es gerade verdecken. Hier braucht es den Mut, durchzuhalten.

    In Sackgassen dagegen gibt es keine Chance mehr, uns weiterzuentwickeln und erfolgreich zu sein. Egal, wie wir uns ins Zeug werfen, es wird nicht mehr besser, der Drops ist gelutscht. Hier ist der Mut gefragt, zu beenden.

Alle Fragen lassen uns ein Stück weit allein mit der Entscheidung. Aber so ist das halt, „an den Wegscheiden des Lebens stehen keine Hinweisschilder“.

Auf jeden Fall wir besser dran, wenn wir irgendwann eine der Richtungen einschlagen und nicht ewig starr wie eine Vogelscheuche stehen bleiben.

Lass uns für den Rest des Artikels annehmen, dass Du nicht in einer Sackgasse feststeckst, sondern nur ein Tal durchschreitest.

Warum Du jetzt noch nicht aufgeben solltest

#1 Du bist im Tal, um zu wachsen

Kennst Du die Geschichte darüber, wie sich ein Mönch aus Japan vor einigen Jahrhunderten zur Aufgabe machte, das chinesische Buch Tao-te-King ins Japanische zu übersetzen und zu verbreiten, damit auch sein Land von den Weisheiten profitieren kann? Übersetzt war das Buch bereits nach einigen Monaten. Die eigentliche Herausforderung war, wie sich zeigte, das ganze Geld für den Buchdruck und die Verbreitung des Werks zusammen zu sparen. Zehn Jahre dauerte es, da hatte der Mann das Geld dafür endlich zusammen. Doch geschah es zu genau dieser Zeit, dass gewaltiger Sturm tobte und das Krankenhaus seiner Heimatstadt zerstörte. Der Mönch spendete alles Geld, was er hatte, damit das Krankhaus schnell wieder neu aufgebaut werden konnte. Er wusste, er hatte sich richtig entschieden, aber seinem eigenen Traum war er nach zehn Jahren keinen Schritt näher gekommen. Weitere zehn Jahre später, und er hatte das Geld wieder zusammen. Aber wieder machte ihm eine Naturkatastrophe einen Strich durch die Rechnung. Dieses Mal wurde die örtliche Schule von einer Überschwemmung heimgesucht. Wieder half der Mönch aus, indem er alles gab, was er im letzten Jahrzehnt zusammensparte. Erst weitere zehn Jahre später hatte er das Geld ein drittes Mal zusammen. Dieses Mal konnte er das Buch drucken und in seinem Land verbreiten.

Vielleicht hat seine Arbeit so lange gedauert, vielleicht gab es immer wieder Rückschläge, weil es um viel mehr ging als um die Übersetzung eines Buchs. Vielleicht hat war es genauso wichtig, dass der Japaner die Worte Laotse’s nicht nur niederschrieb, sondern lebte. Die Katastrophen konnte er nicht vorhersehen, aber nur er selbst konnte sich entscheiden, nicht aufzugeben. „Die Weisen sagen“, heißt es in der Geschichte, „dass der Mönch drei Ausgaben des Tao-te-King schuf: zwei unsichtbare und eine gedruckte“.

Und vielleicht ist auch Dein Tal da, damit Du wächst und Dich Deines Traums als würdig erweist.

#2 Du brauchst Dich nicht mit anderen zu vergleichen

Du bist immer noch mitten in der Heilpraktiker-Ausbildung, wo doch schon alle, die gleichzeitig mit dir angefangen haben, eine Praxis in Beverly Hills haben, in der die Stars ein und ausgehen, und jedes Mal ein halbes Vermögen dalassen?

Oder: die anderen haben nach nem halben Jahr Bloggen schon 9294381023812398 Leser am Tag … und Deinen Blog liest noch immer nur Mutti?

Oder: Dein Geschäft steht nach ungezählten Anstrengungen noch immer nicht auf eigenen Beinen, wie ein 45-jähriges Riesenbaby, während alle Eltern anderer Businesses um Dich herum schon längst von ihren Kindern ernährt werden?

Scheißegal, wie weit die anderen nach X Monaten oder Jahren sind.

Sag ich mal. Und meine es auch so.

Zu unterschiedlich sind unsere Voraussetzungen und das, was uns auf unseren Wegen zustößt, als das man die zurückgelegten Strecken miteinander vergleichen könnte.

#3 Alles, was Du brauchst, ist womöglich eine Pause

Zwischen Mai und September diesen Jahres habe ich wenig gelesen und noch weniger geschrieben über Dinge, die mit myMONK zu tun haben. Schon Wochen davor plagten mich immer mehr Zweifel, ob das alles Sinn macht, mit dieser Website hier, die Du gerade liest.

Weder bekam ich Zeilen aufs Papier, noch hielt ich das überhaupt noch für wichtig – ist ja doch nur alles Mist.

Zeit, das Ganze zu beenden? Fühlte sich irgendwie so an.

Aber: nein. Was ich brauchte, war eine Pause. Zu viel hatte ich mir aufgeladen, über Monate. Schreiben ist Schwerstarbeit, hat mir mal jemand gesagt (Danke, Ralf!). Das hatte ich unterschätzt.

Unsere großen Träume verleiten uns schnell mal dazu, zu wenig zu schlafen, zu essen, uns zu wenig zu bewegen oder einfach nur Ruhe gönnen, und dann ackern ackern ackern ackern wir und irgendwann geht gar nichts mehr.

Manchmal kommt der Punkt, an dem wir uns eine Weile zurückziehen müssen ins Schneckenhaus, bevor wir unseren Schleim wieder auf der Straße verteilen (boah, der ist mir gerade eingefallen, ich könnt’ heulen).

Du glaubst, Du hättest keine Zeit, jetzt eine Pause einzulegen? Dann erinnere ich an den Holzfäller, der sich einen abarbeitete, fertig bis auf die Knochen, aber kaum vorankommend, denn: seine Axt war stumpf, und dann kam ein Anderer vorbei und sagte: „Hey, Deine Axt müsste mal wieder geschliffen werden, mit dem stumpfen Teil ist es doch unnötig schwer“ und der Holzfäller antwortete: „das geht nicht, ich habe einfach keine Zeit, die Axt zu schleifen!“.

#4 Die Welt braucht Dich

Jeder von uns hat eine Fähigkeit (nenn es Talent, nenn es Gabe, nenn es, wie Du willst), die von großer Wichtigkeit für die Welt sein kann, wenn wir sie entwickeln und nutzen, um Dinge zu erschaffen, statt in Aufgaben zu erschlaffen, die sinnlos sind oder nicht zu uns passen.

Wenn Du kurz davor bist, das Handtuch zu werfen … dann kannst Du daran denken, dass Dein Projekt, Deine Hingabe, Dein Herz die Welt verändern können.

Mehr dazu unter Warum Du Deine Lebensaufgabe kennen solltest.

#5 Du bist vielleicht näher am Ziel, als Du glaubst

Im klassischsten Klassiker aller Selbsthilfe-Bücher, „Think and grow rich“ (Denke nach und werde reich), erzählt Napoleon Hill die wahre Geschichte von R. U. Harby:

Es war zu Zeiten des großen Ölrauschs in Amerika, als Harbys Onkel es den anderen Abenteurern gleich tat und sein Glück – sein Öl – suchen wollte. Er grub und grub und schließlich stieß er auf eine Ölquelle. Um die Quelle zu erschließen, brauchte Harby’s Onkel Geld und Unterstützung.

Gemeinsam mit seinem Neffen (Harby natürlich) sammelte er in der Heimat Geld bei allen ein, die welches hergaben, um die notwendigen Maschinen zu kaufen, die das Öl ans Tageslicht befördern sollten. Als das Geld beisammen war, fuhren die Beiden wieder zurück zur Quelle, ausgestattet mit großen Hoffnungen und dieses Mal auch mit allen Maschinen, die sie brauchten. Alles lief gut an, schon bald war genug Öl gepumpt, um sämtliche Schulden zurückzahlen zu können.

Plötzlich – festhalten – passierte es: die Quelle versiegte. Soll das wirklich alles gewesen sein? Noch ein paar Tage versuchten sie, weiteres Öl zu fördern. Ohne Erfolg.

Frustriert gaben sie auf und verkauften ihre Maschinen für ein paar lumpige Dollar. Der Käufer beauftragte einen Ölquellenspezialisten und ließ ihn das Gebiet untersuchen. Er fand die gigantische Hauptquelle … und zwar einen Meter von der Stelle entfernt, an dem die Harbys gebort hatten. Der Mann wurde Millionär, die Harbys grün vor Wut, als sie davon erfuhren. Eines hatte Harby dabei gelernt: nie wieder zu früh aufzugeben. Er wurde zu einem der erfolgreichsten Versicherungs-Verkäufer und verdiente mehr, als ihm das Öl je eingebracht hätte.

Wie oft geben wir auf, während unser Ziel, oder wenigstens der nächste große Schritt, nur wenige Zentimeter entfernt ist?

Anders als Harby und sein Onkel erfahren wir ja meistens gar nicht, wie knapp die Sache war. Dann bleibt uns nicht einmal die Lektion.

Was hilft Dir, wenn Du kurz davor bist, aufzugeben? Freu’ mich über Deinen Kommentar!

 

Photo: Daniel Zedda