Wir können felsenfest an etwas glauben, ganz unbewusst oder ohne den Glauben je angezweifelt zu haben. Die Eltern, die Verwandtschaft, Erzieher, Spielkameraden, Lehrer, Mitschüler, Chefs und Kollegen schütten uns mit ihren Worten und ihrem Verhalten Kieselstein für Kieselstein Teile ihres fest gemauerten Weltbildes in den Kopf, bis wir es selbst für wahr halten und aus den einzelnen Steinen nach und nach Mauern bauen, in denen wir gefangen sind. Genau so, wie die Leute um uns herum.

  • „Tu’ nicht so, als wärst Du etwas Besonderes.“
  • „Nimm Dich nicht so wichtig.“
  • „Nur Betrüger haben viel Geld.“
  • „Du träumst! Was Du vorhast, ist nichts als ein Hirngespinst!“
  • „Nur Menschen, die in reiche Kreise geboren sind und Beziehungen haben, können erfolgreich sein.“
  • „Ein sicherer Job ist besser als der brotlose Scheiß, für den Du Dich interessierst. Sei froh, wenn Du jeden Monat ein festes Gehalt bekommst.“
  • „Arbeite hart und schleim Dich ein, um in der Firma aufzusteigen. Irgendwann wird Dich jemand befördern.“
  • „Deine Heimat ist der Ort, an dem Du geboren und aufgewachsen bist.“
  • „Wer gemeinsam Kinder hat, muss verheiratet sein.“
  • „Wer verheiratet ist, muss gemeinsame Kinder haben.“
  • „Erwarte lieber nicht zu viel vom Leben, sonst wirst Du nur enttäuscht.“
  • „Die Welt ist schlecht, da kann man nichts machen.“
  • „Die Wirtschaftskrise wird jeden hart treffen, da kann man nichts machen.“

Kommen Dir manche Sätze bekannt vor?

Glaubst Du, dass sie wahr sind?

Was passiert mit Dir, wenn Du sie liest?

Mich begleitete der Traum von der Freiheit der Selbstständigkeit schon seit meiner Jugend. Ebenso wie die Zweifel daran, das jemals zu schaffen. Hätte mich jemand gefragt: „Wie stehst Du denn zum „sicheren Job“ und zur Karriere als Angestellter?“, dann hätte ich zwar – scheinbar selbstbewusst – geantwortet „Weder sind Jobs sicher, noch macht eine Angestellten-Karriere aus meiner Sicht und für mich Sinn, ich will Unternehmer werden“.

Aber was habe ich getan, nach meinem Studium? Mir einen Job gesucht. Mit guten Karriereperspektiven als Angestellter. Warum? Weil ich fast ausschließlich mit Menschen aufgewachsen bin und auch heute größtenteils Menschen kenne, die ihre Brötchen mit Bürojobs verdienen. Also war der Glauben tief in mir fest verankert, dass es so sein muss, ist und sein wird – auch für mich.

Befreiende Fragen

Fragen können solche Mauern durchbrechen, Menschen von innerem und äußerem Druck oder der Last der vermuteten Ausweglosigkeit befreien, alten Schmerz auflösen und die Augen, das Herz und die Arme öffnen für Neues, Schönes, Glückliches, Erfüllendes.

Manche Fragen wirken gegen die Mauern eher wie ein kleiner Meisel, sie lassen die Steine bröckeln und vielleicht etwas dahinter ahnen, an das Du bisher noch nicht gedacht hast. Andere Fragen sind mächtige, unaufhaltsame Bulldozer, die Altes niederreißen und uns Tränen in die Augen treiben können.

Es geht bei der Übung nicht darum, die „einzig richtige Antwort“ zu finden, richtig ist alles, was Dir einfällt, wenn Du Dir wirklich Zeit für eine Frage genommen hast.. Die Reihenfolge der Fragen spielt ebenfalls keine Rolle. Für mich persönlich funktioniert diese Übung am besten, wenn ich mich zuhause bewusst dafür zurückziehe oder im Park spazieren gehe. Ich beschäftige mich dann meistens nur mit einer oder ein paar wenigen Fragen, weil mir bei einer größeren Anzahl an Fragen schwindlig wird.

Wenn Du die Fragen liest, werden Dich manche wahrscheinlich mehr berühren als andere. Das sind dann Deine Fragen, die, die für Dich jetzt richtig, wichtig und befreiend sein können.

Mit der richtigen Frage zur richtigen Zeit kann sich ein Leben für immer verändern.

Bist Du bereit?

Hier sind sie:

  1. Was ist der Unterschied zwischen „am Leben sein“ und „LEBEN“?
  2. Wohin rennst Du gerade – und warum?
  3. Drückst Du den Grün-kommt-Knopf an der Ampel oder den Schalter im Fahrstuhl häufiger als einmal, wenn ja, warum?
  4. Wie stellst Du Dir eine bessere Welt vor – was würdest Du gern verändern?
  5. Welchen Superhelden aus dem Kino oder einem Comic findest Du besonders faszinierend, und warum? Woran liegt es, dass Dich gerade diese Eigenschaft so fasziniert?
  6. Würdest Du Deinen Job kündigen, wenn Du in der nächsten Lottoziehung eine Million Euro gewinnst?
  7. Welche eine Sache wolltest Du schon immer mal unbedingt machen, und warum hast Du sie noch nicht getan?
  8. Würdest Du anders leben, wenn Du wüsstest, dass Du nur noch 5 Jahre hast?
  9. Was würdest Du tun, wenn Du sicher wärst, dass Dich niemand dafür auslachen oder verurteilen wird?
  10. Wann, wenn nicht jetzt?
  11. Wenn Du keine Entscheidung triffst … wer trifft sie dann für Dich?
  12. Woher weißt Du es, wenn Du es nie probiert hast?
  13. Hast Du jemals etwas Wertvolles aus einem Fehler gelernt – wenn ja, warum hast Du dann so große Angst vor Fehlern?
  14. Was kann schlimmstenfalls passieren – und wie oft ist das Schlimmste bisher überhaupt eingetreten?
  15. Was findest Du schlimmer: zu „scheitern“ oder es nie versucht zu haben?
  16. Woher weißt Du, was richtig und was falsch ist – und wie sicher kannst Du Dir dabei sein?
  17. Wo würdest Du leben wollen, wenn Du aus dem jetzigen Land wegziehen müsstest?
  18. Ist Deine größte, geheime Angst jemals Realität geworden?
  19. Wann hast Du das letzte Mal bewusst auf Deinen Herzschlag gehört?
  20. Wofür bist Du dankbar?
  21. Warum bist Du und nicht ich oder jemand anderes?
  22. Wann hast Du Dir zum letzten Mal im Spiegel länger in die Augen geschaut – wenn es lange zurück liegt, woran liegt das?
  23. Was oder wen liebst Du aus ganzem Herzen, und wann hast Du dies das letzte Mal ausgedrückt?
  24. Warum liebst Du verschiedene Dinge oder Tätigkeiten als Andere – warum haben wir nicht einfach alle dieselbe Leidenschaft?
  25. Wirst Du Dich in drei Jahren noch an das erinnern können, was Du heute getan hast? Wenn nein, was bedeutet das?
  26. Hast Du das Gefühl, die letzte Woche schon hunderte von Malen durchlebt zu haben?
  27. Wie alt, würdest Du sagen, bist Du, wenn Du es nicht wüsstest?
  28. Klammerst Du Dich an etwas fest, das Du längst hättest gehen lassen sollen?
  29. Wofür würdest Du ein Gesetz brechen, wenn Du wüsstest, dass Du dann ein Jahr ins Gefängnis müsstest?
  30. Bist Du der Vater / die Mutter, der Sohn / die Tochter, der Freund / die Freundin, der Partner / die Partnerin, den oder die Du selbst gern hättest?
  31. Wie viele Deiner Versprechen hast Du eingehalten?
  32. Wen würdest Du heute anrufen / besuchen, wenn Du wüsstest, dass die Welt morgen untergeht?
  33. Was ist Deine glücklichste Kindheitserinnerung – und warum?
  34. Welchen Rat würdest Du Deinem Kind geben, wenn Du nur einen einzigen Satz zum ihm sagen könntest?
  35. Welchen Satz würdest Du gern auf Deinem Grabstein lesen?

In meinem Fall mit dem Angestelltendasein und dem langjährigen Traum von der eigenen Firma war es unter anderem die Frage „Wann, wenn nicht jetzt?“, die mir geholfen hat, den Schritt in die Freiheit zu wagen. Klar hätte ich mich stattdessen auch fragen können „Warum wäre es unklug, jetzt zu kündigen?“, und darauf hätte es eine ganze Reihe von guten Antworten gegeben. Weil ich erst angefangen habe und das im Lebenslauf schlecht aussehen könnte, weil ich kaum Geld auf dem Konto habe, weil ich doch lieber erst mal Kenntnisse und Beziehungen im Berufsleben aufbauen sollte, weil dieser Job an sich super ist …

Zu „Wann, wenn nicht jetzt?“ fiel mir viel weniger ein. Die Antwort war mehr ein Gefühl und ein Vertrauen, das mit jedem mal anstieg, als ich mich „Wann, wenn nicht jetzt?“ fragte. Für mich bedeutet das, dass nicht mein Verstand antwortete, sondern mein Herz – und vielleicht auch das Universum oder was auch immer. Ich war frei von des zuvor tief verankerten, erlernten Regeln.

Wenn Du eine Antwort oder eine andere Frage teilen möchtest, freue ich mich über Deinen Kommentar.

 

Foto: Moyan Brenn