Welches Problem quält uns heute mehr als alle anderen?

Bilder sagen bekanntlich mehr als tausend Worte. Vor allem, wenn auf den Bildern was drauf ist. Gefunden habe ich die folgenden Grafiken in einem kleinen Buch, das unsere heutige Welt auf den Punkt bringt und auch ein nettes Geschenk her machen könnte: „Truth Facts“ von Mikael Wulff und Anders Morgenthaler. Auf alle Fälle ein deutlich besseres als so manches Zeitschriften-Abo (Grund: siehe weiter unten). Ein paar Worte von mir gibt’s trotzdem dazu.

1. Wir sind so lange zu jung, bis wir zu alt sind

alter

Was habe ich auf den 18. Geburtstag hingefiebert. Führerschein machen, Schule endlich vorbei, eigene Wohnung, alles tun oder lassen können, Pizza an die Wände werfen, nächtelang nicht heim kommen oder 20 Prostituierte in die Bude bestellen … wenn ich doch nur endlich 18 wäre!

Ab Mitte 20 ging’s dann in die andere Richtung, ich wurde zunehmend ungern älter. Nicht, weil ich mich um meine Schönheit sorgte, sondern weil ich lange dachte, ich hätte nicht genug erreicht für mein Alter, alle außer mir machen Karriere, werden gerade Millionäre oder sind’s längst, bildete ich mir ein.

Die paar Jahre dazwischen waren  zum Teil leider von was anderem vermiest, erst ging’s mir überhaupt nicht gut und dann hab ich mich im BWL-Studium ordentlich abgenutzt.

Seit ein oder zwei Jahren bin ich mehr mit meinem Alter im Reinen. Aber das wird vielleicht auch wieder schwieriger, wenn mir lange Haare aus den Ohren wachsen oder das Gebiss immer in die Suppe fällt (sofern es unterwegs nicht in den Ohrhaaren hängenbleibt)

2. Wir sind verwirrt und werden verwirrt

frauenzeitschrift

Tausend gemischte Botschaften kommen aus den Fernsehern, Smartphonebildschirmen und Menschenmündern:

„Sei verletzlich … aber bleib stark!“

„Mach Karriere … aber sei nicht so materiell!“

„Streng Dich an … aber sei entspannt!“

„Sei immer für andere … aber achte vor allem auf Dich!“

Oder so wie in den Frauenzeitschriften:

Dadurch hängt ständig eine Frage über uns wie eine Wolke:

Ja, was denn nun, wie soll ich sein, was soll ich tun?

Und diese Frage kriecht uns vorwärts und rückwärts durchs Hirn und bringt uns vielleicht irgendwann in eine von den Kliniken mit den abgeschlossenen Stationen, sicher aber aus der Ruhe und weit, weit weg von der Zufriedenheit. Weil wir alles gleichzeitig haben wollen oder glauben, es haben oder wenigstens wollen zu müssen.

(Siehe auch: Ein fast vergessener Grundsatz, der Dein Leben viel leichter machen kann.)

3. Wir leben zwei Leben

berufswunsch

Als wären unsere Tage nicht mehr als der billige Abklatsch unseres eigentlichen Lebens, führen wir zwei Leben: im Außen das echte und im innen ein erträumtes.

Zwar ist es schön und wichtig, wenn wir unsere Träume bewahren. Aber nur dann, wenn wir für diese Träume etwas tun können und auch tatsächlich tun. Andernfalls machen wir uns nur unglücklich.

(Siehe auch: „Tu, was Du liebst“ ist ein schlechter Rat.)

Das größte Problem des heutigen Lebens ist also …

Es gibt einen gemeinsamen Nenner, und auf den komme ich sogar ohne Taschenrechner:

Wir sind häufig nicht da, wo wir sein wollen. Und wo wir sind, da wollen wir nicht sein.

Wir akzeptieren uns und unser Leben nicht so, wie wir sind und wie es ist.

Nicht mit diesem Alter, nicht mit diesem Körper, nicht mit diesem Job.

Das ist das eigentliche Problem – und nicht das Alter, der Körper, oder der Job. Das macht uns so unzufrieden und rastlos.

Das Gute daran: Wir müssen weder erst 10 Kilo abnehmen, noch unser Gesicht liften lassen, noch Rockstars oder Kampfpiloten werden, bevor wir glücklich sein können.

Das Glück wartet nicht in zweihundert Kilometern Entfernung. Es wartet hier und jetzt. Für einen Happen davon müssen wir nur die Augen schließen, ein paarmal tief durchatmen und sagen: „Ja, so bin und so ist mein Leben gerade, und alles darf so sein, wie es ist.“

Ja.

Ja.

Ja.

 

P.S.: Und noch was aus der heutigen Zeit: Die 10 Berufe mit den meisten Psychopathen.