Manche Jobs machen Freude und sind sinnvoll, manche Jobs weniger, und manche Jobs sind für den Betroffenen die reinste Hölle. Nicht jeder Stunk oder jede unlustige Phase im Büro heißt, dass Du den Job an den Nagel hängen solltest. Aber: wenn Du Dich über lange Zeit quälen musst, um morgens aufzustehen und hinzugehen und dazusitzen und irgendetwas zu arbeiten und Dich zusammenzureißen, dann ist es vielleicht an der Zeit, Dich nach etwas Neuem umzuschauen.

Hier sind zwölf Anzeichen, dass diese Zeit gekommen ist.

  1. Dein Job ist nur ein Job. Wenn Du den Job nur des Geldes wegen tust, schwingen die Alarmglocken bereits wie ein wabbeliger Sumo-Ringer beim Walzer. Du tauschst Deine kostbare wache Lebenszeit gegen Geld? Nur weil das so viele von uns machen, ist es nicht weniger traurig. Ich brauch jetzt mal ein Taschentuch, echt, so traurig ist das. Es mag Phasen im Leben geben, in denen das halbwegs sichere Einkommen eines Jobs wichtiger ist als Leidenschaft und das Gefühl, etwas Sinnvolles zu tun, aber ich glaube, wir lügen uns oft in die Tasche, wenn wir unsere Verantwortung für die Ernährung unserer Lieben vorschieben, um über Jahre in einem Job zu verharren, nichts ist als das: ein stumpfer Tausch von Lebenszeit gegen (meist viel zu wenig) Geld.
  2. Du bist schlecht, in dem, was Du tust. „Unsere Berufung ist das, wo sich unsere Talente und die Bedürfnissen der Welt kreuzen“ sagte Aristoteles. Wenn Du nicht grundsätzlich gut in und geeignet für Deinen Job bist, bewegst Du Dich weder in der Spur Deiner Talente, noch kannst Du so jemals die Bedürfnisse der Welt treffen. Anstatt auf die Kreuzung zuzusteuern, an der Glücklichsein und Erfüllung auf Dich warten, fährst Du irgendwo in einer Wüste im Kreis, während Du nach und nach mehr und mehr verdorrst.
  3. Jeder Grashalm wächst schneller als Du. Wie hast Du Dich in den letzten zwölf Monaten in Deinem Job weiterentwickelt? Wenn Dir dazu nichts einfällt, dann fällt mir nur ein: ich brauch‘ noch ein Taschentuch, bitte. Das klingt hart, und ist es auch, aber ich glaube, dass wir auch auf der Welt sind, um zu wachsen. Der Beruf ist entweder ein fruchtbarer Boden für unser Wachstum, oder ein Gefängnis, das uns klein hält. Helge Schneider erzählte mal von einem kleinen Babyhai, den er in ein winziges viereckiges Aquarium steckte, der Babyhai wurde ein kleines Stück größer, endete dann aber sehr bald viereckig an die Wände des Aquariums angewachsen. (War nur eine Geschichte, keine Angst.)
  4. Vor die Wahl gestellt würdest Du lieber einem Grashalm beim Wachsen zuschauen, als in die Arbeit zu gehen. Deine Arbeit ödet Dich an? Dir reißt es die Augenlider nach unten, wenn Du vor dem Monitor hockst? Glaubst Du, das wird irgendwann besser – wie um alles in der Welt sollte es das denn?
  5. Du gehst häufig aufs Klo, um auf Deinem Handy zu zocken oder im Netz zu surfen. Klopapier haben meine Aufenthalte auf der Büro-Toilette deutlich weniger in Anspruch genommen als Zeit. Bei mir war’s das Surfen auf Blogs rund um Persönlichkeitsentwicklung und das Spielen eines Autorennspiels auf meinem damaligen Android-Handy. War das ein Spaß. Bis ich doch wieder zurück an den Schreibtisch musste.
  6. Deine Wochenenden fühlen sich an wie drei Stunden, die Tage dazwischen wie drei Monate. Meine Wochenenden fühlten sich auch deswegen so kurz an, weil sie schon am Sonntag endeten: der letzte Tag der Woche war bereits dunkel überschattet vom drohenden, nicht aufzuhaltenden Montag. Heute macht mir meine Arbeit so viel Spaß, dass die Zeit unter der Woche in Schallgeschwindigkeit zu verfliegen scheint.
  7. Deine Werte und Prioritäten werden in Deinem Job vergewaltigt. Du bist gezwungen, Dinge zu tun, die Du für falsch hältst? Leuten Sachen andrehen, die sie nicht brauchen, Leuten Sache verwehren, die sie unbedingt brauchen? Dein Karma rächt sich im gleichen Moment dafür. Vielleicht für lange Zeit nur in Deinem Unterbewusstsein klagend und nagend, ganz sicher aber mit langfristigen Folgen.
  8. Dein Chef oder Deine Kollegen stinken (Dir). In der Zeitung habe ich von einem Fall gelesen, in dem ein Arbeitnehmer gegen seine Abmahnung klagte: ihm wurde von der Belegschaft vorgeworfen, bis zu achtmal täglich atemluftabschnürende Gase im Büro zu verbreiten. Er verlor, die Abmahnung war gültig. Gegen die vielen geistigen Furze, die schlechte, dröge, pessimistische, unfreundliche Luft am Arbeitsplatz kann man sich in der Regel kaum wehren. Dabei vergiftet sie uns noch viel mehr.
  9. Du wirst nicht ausreichend wertgeschätzt. Zu wenig Geld, zu wenig Anerkennung für zu viel harte und / oder öde Arbeit? Der Tag, an dem ich als Student in einer Internetagentur mit meinem Arbeitsgerät in den Keller verlegt werden sollte, war der letzte Tag für mich in diesem Unternehmen. Ja, ich brauchte das Geld eigentlich dringend, aber noch dringender brauchte ich eine neue Stelle, in der ich angemessen behandelt wurde.
  10. Du bist häufig krank. Mein Körper protestierte lautstark auf die Studentenjobs und den Vollzeitjob, die mir nicht lagen – nur im Magen. Wenn Du immer häufiger erkältet oder in anderer Form angeschlagen bist, fleht Dein Organismus Dich damit vielleicht an: keine weiteren Anschläge, bitte! Von Tinnitus, Magengeschwüren, Burnout oder Depressionen ganz zu schweigen.
  11. Du hast Deine Hobbies aufgegeben und triffst Deine Freunde immer seltener. Meine Erfahrung deckt sich mit der vieler anderer, von denen ich weiß, dass der Scheißjob nicht etwa dazu führte, dass man das Privatleben dafür umso lebendiger gestaltet, sondern dass auch Hobbies und Freundschaften absterben, wenn beruflich keine Freude blüht.
  12. Du hast auf diesen Artikel geklickt (in der Arbeit).

Jedes einzelne dieser Anzeichen kann Grund genug sein, die Segel zu streichen und Dich zu neuen Ufern aufzumachen. Wenn Du Dich in mehreren oder allen Aussagen wiederfindest, dann … scheiße, dann ist es wirklich höchste Eisenbahn. Du hast keine Garantie im Leben. Nicht mal darauf, dass Du noch X Jahre lebst. Mach, was Du liebst. Und es ist fast egal, wann Du stirbst (zumindest für Dich). Wie Thomas Pfitzer gestern schrieb: „Die Frage ist nicht, wann wir das uns geborgte Leben wieder abgeben müssen, sondern in welchem Zustand es dann ist.“

Nie wieder ein Job?

Für mich kommt ein Job grundsätzlich nicht mehr in Frage. Ich habe meinen ersten Fulltime-Job nach dem Studium nach 7 Monaten hinter mir gelassen, und ich wusste: nie wieder.

Für mich gibt es vier Kriterien an einen Beruf:

  • Er muss Spaß machen und mir liegen (jetzt: v.a. das Schreiben).
  • Ich muss ihn als sinnvoll empfinden (jetzt: myMONK und andere Internetsachen, die Menschen helfen).
  • Ich kann etwas aufbauen (jetzt: unser Unternehmen, gemeinsam mit meinem Geschäftspartner).
  • Ich bin frei. Ich kann stark überwiegend das tun, was ich will, es dann tun, wann ich will, und es dort tun, wo ich will (jetzt: ich kann vom Strand Thailands arbeiten oder in München, tagsüber oder nachts, und die Tätigkeiten überwiegen, die an sich schon eine Belohnung für mich sind).

So lange schon träumte ich vom eigenen, internetbasierten Unternehmen, das diese vier Kriterien für mich erfüllt. Und doch hatte mich der Druck der Norm in ein Angestelltenverhältnis als Unternehmensberater gezwängt, gutes Geld zu verdienen, Sicherheit und einen netten Eintrag im Lebenslauf zu haben. Gott sei Dank konnte ich mich doch relativ schnell wieder befreien und endlich das tun, wofür mein Herz schlägt.

Vielleicht geht’s Dir ähnlich, und Dein Neuanfang spielt sich gleich auf selbstständigem, freiem Boden ab. Dann könnte der Artikel 13 Gründe, niemals einen Job anzunehmen Dich weiter darin bestätigen.

So oder so, angestellt oder selbstständig:

Hätte ich einen Wunsch frei an Dich, lieber Leser, es wäre: hör auf Dein Herz, hör darauf was es spricht und vertraue ihm. Du wirst Dein Leben und die Welt damit so viel besser machen.

 

Photo: Hartwig HKD