Im Film „Fight Club“ fliegen Fäuste und Weisheiten. Dorthin, wo’s weh tut. Die Fäuste können die Darsteller Brad Pitt und Edward Norton bei sich behalten, wenn ich vorbeikomme, doch ihre Weisheiten nehme ich gern auf.

Hier sind sie:

10 Lektionen aus dem Fight Club.

Runde 1:

Es muss Dienstag gewesen sein. Er hatte die kornblumenblaue Krawatte um.

Ich mag den Alltag, ich finde ich ihn wichtig und grundsätzlich gut. Wenn alles aber so alltäglich und gleichförmig wie eine Nullinie im EKG-Gerät geworden ist, dass man den Wochentag nur noch daran erkennt, welche Krawatte der Kollege oder man selbst trägt, dann ist der Alltag zu übermächtig geworden.

Runde 2:

Dir Federn in den Arsch zu stecken macht dich noch lang‘ nicht zum Huhn […] Du bist nicht dein Job. Du bist nicht das Geld auf deinem Konto. Nicht das Auto, das du fährst! Nicht der Inhalt deiner Brieftasche! Und nicht deine blöde Cargo-Hose.

Junge wie Alte streben heute mehr denn je danach, etwas zu haben … und immer weniger danach, etwas zu werden – nämlich sie selbst. Das was sie wirklich wollen, können und vielleicht auch sollten.

Runde 3:

Alles was du besitzt, besitzt irgendwann dich.

Das Problem, das entsteht, wenn wir in erster Linie Materielles anhäufen wollen, geht noch weiter. Besitz kann leicht abhängig machen. Wie sicher oder selbstsicher wir uns fühlen, kann sich rasch mit dem Kontostand und der schicken Karre verknüpfen. Wahre Sicherheit und Selbstsicherheit kommen jedoch von innen, nicht aus Tresoren und Garagen.

Heißt nicht, dass Besitz und das Streben danach unbedingt schlecht ist (mache ich auch) … aber auf jeden Fall birgt es Gefahren, die man nicht aus den Augen verlieren sollte.

Runde 4:

Wohin ich auch reise, überall portioniertes Leben, portionierter Zucker, portionierte Kaffeesahne, eine Kleinst-Portion Butter, der Mikrowellen-Cordon-Bleu-Bausatz, Shampoo-Conditioner-Fläschlein, Einzelproben Mundwasser, winzige Seifenstücke. Die Leute, die ich auf jedem Flug kennen lerne sind portionierte Freunde. Zwischen Start und Landung verbringen wir unsere gemeinsame Zeit und das war’s.

Die Welt ist schnell und mundgerecht geworden. In jeder Beziehung. Ich hab‘ mich ja selbst einige Jahre überwiegend von Mikrowellen-Kost ernährt. Gesund ist das nicht – weder für den Körper noch für den Geist.

Runde 5:

“Verpiss dich mit deinen grün gestreiften Sofa Sets, ich sage: sei nie vollständig, ich sage: hör auf perfekt zu sein, ich sage: entwickeln wir uns, lass die Dinge einfach laufen! […] Wir fingen an, die Dinge anders zu sehen. Überall, wo wir hingingen, taxierten wir alles genau. Mir taten die Fitness-Typen leid, die versuchten, so auszusehen, wie es ihnen Calvin Klein oder Tommy Hilfiger einredeten.

Wir lassen uns von Redakteuren aus Hochglanzzeitschriften, die bestimmt oft selbst übergewichtig und ausschließlich mit Ikea eingerichtet sind, vorschreiben, wie wir auszusehen, zu wohnen, zu konsumieren, zu leben haben. Wir versuchen, diese Vorgaben so perfekt wie möglich zu erreichen. Nicht mal, um glücklich zu werden, sondern oft nur, um keine Angriffsfläche zu bieten. Je schneller wir rennen, umso härter ist der Aufprall gegen die Wand, die so immer zwischen uns und unserer Zufriedenheit stehen wird.

Runde 6:

Ist die Zeitkoordinate nur lang genug, sinkt die Überlebensquote für jeden auf Null […] zuerst musst du wissen, nicht fürchten, sondern wissen, dass du einmal sterben wirst.

Wenig überraschend, für den Intellekt. Und doch so wenig präsent. Alter und Sterben schieben wir soweit weg wie möglich. In der Gesellschaft – und in uns selbst. Dabei beschützt uns der Gedanke an unsere Sterblichkeit vor Zeitverschwendung.

Runde 7:

Erst nachdem wir alles verloren haben, haben wir die Freiheit, alles zu tun.

Alles verlieren heißt nicht, alles anzünden und vor einer Ruine stehen. Was wir verlieren müssen, sind die Sorgen um die Gedanken der anderen über uns, die Ausrichtung nach der Norm, die Glaubenssätze, die uns eingepflanzt wurden und nun einschränken.

Runde 8:

„Wissen Sie, warum es an Bord Sauerstoffmasken gibt?“ –“Damit man Luft kriegt.“ – „Von Sauerstoff wird man high. Bei Stress im Katastrophenfall wird die Atmung tiefer als sonst. Ganz schnell wird man euphorisch, gefügig, akzeptiert sein Schicksal. Steht alles hier… Notwasserung mit 900 Kilometern pro Stunde. Ausdruckslose Gesichter, Gelassen wie Hindu-Kühe.“

So ist es auch außerhalb von Flugzeugen. In den Büros, auf den Fernsehcouches, in den Geschäften. Wir werden benebelt von den gesellschaftlichen Normen und den Interessen der Industrie. Selbst im Absturz grinsen wir noch mit glasigen Augen vor uns hin.

Runde 9:

Zeit, für das, an was du glaubst, aufzustehen.

Wir haben uns genug geduckt, lange genug getan, was andere von und für uns wollten. Lass‘ uns aufstehen. Und für das kämpfen, an das wir glauben.

Letzte Runde:

Im Fight Club ging es nicht um Gewinnen oder Verlieren. Es ging nicht um Worte. Die hysterischen Rufe waren wie Gebets-Kauderwelsch in einer dieser Erweckungs-Kirchen. Wenn der Kampf vorbei war, war nichts gelöst, aber nichts war von Bedeutung. Hinterher fühlten wir uns alle errettet […] Du bist nirgendwo so lebendig wie beim Fight Club.

Nicht der Sieg zählt, sondern der Kampf. Sobald wir aufstehen für das, an das wir glauben, wird das Leben lebendiger als in jedem gekauften Abenteuerurlaub.

Aus „Der Simulant“, einem Buch, das genau wie die Filmvorlage zu „Fight Club“ vom Autor Chuck Palanhiuk stammt, kommen diese Worte:

Es ist unheimlich, aber wir sind jetzt die Pilgerväter, die Spinner unserer Zeit, die ihre eigene alternative Realität verwirklichen wollen.

Wenn Du auch auf der Suche bist und Dir das Zeug gefällt, was es hier für Dich gibt, dann lade ich Dich ein, gemeinsam mit mir und den anderen aus myMONK einen der bescheidenen virtuellen „Tempel“ aufbauen für alle Pilger, die ihre eigene alternative Realität verwirklichen wollen.

 

Photo: links: Film „Fight Club“, gefunden auf zehnachtzig.de rechts: y2-hiro